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Nicht nur in der Summe haben die Anforderungen
an die Mitarbeiter des Job-Centers in Forst zugenommen – auch
qualitativ kommen die Hilfesuchenden mit höheren Ansprüchen.
Dabei bietet sich den Helfern, die selbst aus der Arbeitslosigkeit
kommen, ein breit gefächertes Bild. Vergangene Woche wechselte
die Besatzung einer Beschäftigungsmaßnahme in Forst und
in Döbern.
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Foto: Angela Hanschke |
Nach einjähriger
Tätigkeit haben in der Forster Bürgerberatung in der Metzer
Straße 3 Dagmar Krause, Daniela Zarnisch und Michael Wohlfahrt
ihre Schreibtische für die nächsten Mitarbeiter der geförderten
Maßnahme freigemacht. Auch im Job-Service-Center Döbern
(Forster Straße 14) endet die Tätigkeit für Jana
Hallwas und Sabine Wille. Für den Träger beider Einrichtungen,
die Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Strukturfördergesellschaft
(BQS) Döbern und Carola Haaken vom Eigenbetrieb für Grundsicherung
beim Landkreis,
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war dies Anlass, den
sechs Mitarbeitern während eines Jahresrückblicks für
die engagierte Arbeit zu danken. „Als nicht ganz unproblematisch“
wertete Carola Haaken den Start des Projektes mit zeitgleichem Trägerwechsel
vom Forster Zak e. V. zur BQS Döbern. Bei den Bewerbungen haben
ihr zufolge nicht nur die Anzahl, sondern auch die Vielschichtigkeit
und der Qualitätsanspruch zugenommen. „Viel Fingerspitzengefühl
für die sehr unterschiedlichen Biografien der Ratsuchenden“,
bescheinigte auch Projektbetreuerin Regina Schenke den sechs Mitarbeitern.
"Die Zahl der Ratsuchenden wurde immer größer. Das
hat uns alle überrascht", zog Sabine Wille Bilanz. Besonders
wichtig war ihr, das Vertrauen der Klienten zu gewinnen. Viele Anregungen
hat sie auch der für alle Job-Service-Mitarbeiter obligatorischen
Weiterbildung in den Modulen Textverarbeitung, Grafikdesign, Tabellenkalkulation
und Pädagogik entnommen. „Als sehr zeitintensiv hat sich
die Statistikerfassung erwiesen“, berichtete Michael Wohlfahrt.
Dank neuer von Projektmanager Frank Biewald installierter Computerbausteine
hätten alle im Team mehr Zeit für die Arbeit mit den Ratsuchenden
gewonnen. Von anfangs 600 Bewerbungen sei in Forst die Zahl in Spitzenzeiten
bis auf 900 Bewerbungen für jeden Mitarbeiter gestiegen, hat
er registriert. Nach einem Jahr könnten er und seine Kolleginnen
Bewerbungen „fast aus dem Stegreif verfassen“.
Doch auch Kritisches vermeldeten die Fünf, deren Arbeitsmotto
„Hilfe zur Selbsthilfe“ lautete. Gleichgültigkeit
der Klienten, fehlende Unterlagen und fehlerhafte Angaben hätten
in einigen Fällen eine maßorientierte Unterstützung
erschwert.
„Bei Null“ hat auch Bürgerberaterin Gisela Berth
in Forst mit ihrer Arbeit begonnen. Viele Antragsteller fühlten
sich mit den entsprechenden Formularen überfordert, stellte
sie fest. Doch auch bei Darlehensanträgen, beim Einlegen von
Widersprüchen, bei Bafög-Anträgen, Befreiung von
Rundfunkgebühren sowie bei Obdachlosen und Mietschuldnern war
ihr Rat gefragt. Viel Aufklärungsarbeit habe ihr zudem der
Punkt „Vermögensoffenlegung“ abverlangt, berichtete
Gisela Berth, die ihre Arbeit als Vertrauensstellung auffasst. Unhöflich
sei ihr keiner der Ratsuchenden begegnet. „Schreiben Sie nicht
zu gut“ oder „Schreibt uns mal fünf Bewerbungen“
– diese Forderung erhielt Sabine Wille in Döbern öfter
einmal.
Auch verfügten ihrer Erfahrung nach einige Bewerber nicht über
ausreichende Fähigkeiten oder genügende Deutschkenntnisse
für die vorgeschlagenen Tätigkeiten. Neu für sie
sei die Begegnung mit dem Problem Analphabetentum gewesen. Oft würden
Bewerbungen „nicht kontinuierlich, sondern stoßweise“
und „notgedrungen“ geschrieben.
Bei manchen Ratsuchenden hat aber auch Michael Wohlfahrt große
Resignation festgestellt. Eine individuelle Beratung erfordere einen
Zeitaufwand von zwei bis drei Stunden, so die Erfahrung der Job-Service-Mitarbeiter.
Neben „großer Sicherheit im Umgang mit sehr unterschiedlichen
Menschen“ haben alle auch Einblicke in ausgesprochen prekäre
Arbeitsangebote erlangt. "Unverzichtbar für die weitere
Arbeit", nannte Carola Lorenz vom Sozialbereich des BQS-Managements
diese Rückmeldungen. „Viele kleine, aber wichtige Dinge,
die sonst nicht an die Öffentlichkeit gelangen“, hat
auch BQS-Geschäftsführer Wolfgang Seeck ausgemacht.
Zukünftig werde an beiden Standorten ein Computerarbeitsplatz
für die Klienten eingerichtet. „Trotz allem: Unsere Arbeit
hat auch viel Spaß gemacht. Wir waren ein gutes Team“
– auf diese Einschätzung legt Dagmar Krause großen
Wert.
Angela Hanschke |