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 07.10.2008
 
Bewerbungen aus dem Stegreif
 
Nicht nur in der Summe haben die Anforderungen an die Mitarbeiter des Job-Centers in Forst zugenommen – auch qualitativ kommen die Hilfesuchenden mit höheren Ansprüchen. Dabei bietet sich den Helfern, die selbst aus der Arbeitslosigkeit kommen, ein breit gefächertes Bild. Vergangene Woche wechselte die Besatzung einer Beschäftigungsmaßnahme in Forst und in Döbern.
 

Foto: Angela Hanschke
Nach einjähriger Tätigkeit haben in der Forster Bürgerberatung in der Metzer Straße 3 Dagmar Krause, Daniela Zarnisch und Michael Wohlfahrt ihre Schreibtische für die nächsten Mitarbeiter der geförderten Maßnahme freigemacht. Auch im Job-Service-Center Döbern (Forster Straße 14) endet die Tätigkeit für Jana Hallwas und Sabine Wille. Für den Träger beider Einrichtungen, die Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Strukturfördergesellschaft (BQS) Döbern und Carola Haaken vom Eigenbetrieb für Grundsicherung beim Landkreis,
 

war dies Anlass, den sechs Mitarbeitern während eines Jahresrückblicks für die engagierte Arbeit zu danken. „Als nicht ganz unproblematisch“ wertete Carola Haaken den Start des Projektes mit zeitgleichem Trägerwechsel vom Forster Zak e. V. zur BQS Döbern. Bei den Bewerbungen haben ihr zufolge nicht nur die Anzahl, sondern auch die Vielschichtigkeit und der Qualitätsanspruch zugenommen. „Viel Fingerspitzengefühl für die sehr unterschiedlichen Biografien der Ratsuchenden“, bescheinigte auch Projektbetreuerin Regina Schenke den sechs Mitarbeitern.

"Die Zahl der Ratsuchenden wurde immer größer. Das hat uns alle überrascht", zog Sabine Wille Bilanz. Besonders wichtig war ihr, das Vertrauen der Klienten zu gewinnen. Viele Anregungen hat sie auch der für alle Job-Service-Mitarbeiter obligatorischen Weiterbildung in den Modulen Textverarbeitung, Grafikdesign, Tabellenkalkulation und Pädagogik entnommen. „Als sehr zeitintensiv hat sich die Statistikerfassung erwiesen“, berichtete Michael Wohlfahrt. Dank neuer von Projektmanager Frank Biewald installierter Computerbausteine hätten alle im Team mehr Zeit für die Arbeit mit den Ratsuchenden gewonnen. Von anfangs 600 Bewerbungen sei in Forst die Zahl in Spitzenzeiten bis auf 900 Bewerbungen für jeden Mitarbeiter gestiegen, hat er registriert. Nach einem Jahr könnten er und seine Kolleginnen Bewerbungen „fast aus dem Stegreif verfassen“.

Doch auch Kritisches vermeldeten die Fünf, deren Arbeitsmotto „Hilfe zur Selbsthilfe“ lautete. Gleichgültigkeit der Klienten, fehlende Unterlagen und fehlerhafte Angaben hätten in einigen Fällen eine maßorientierte Unterstützung erschwert.
„Bei Null“ hat auch Bürgerberaterin Gisela Berth in Forst mit ihrer Arbeit begonnen. Viele Antragsteller fühlten sich mit den entsprechenden Formularen überfordert, stellte sie fest. Doch auch bei Darlehensanträgen, beim Einlegen von Widersprüchen, bei Bafög-Anträgen, Befreiung von Rundfunkgebühren sowie bei Obdachlosen und Mietschuldnern war ihr Rat gefragt. Viel Aufklärungsarbeit habe ihr zudem der Punkt „Vermögensoffenlegung“ abverlangt, berichtete Gisela Berth, die ihre Arbeit als Vertrauensstellung auffasst. Unhöflich sei ihr keiner der Ratsuchenden begegnet. „Schreiben Sie nicht zu gut“ oder „Schreibt uns mal fünf Bewerbungen“ – diese Forderung erhielt Sabine Wille in Döbern öfter einmal.

Auch verfügten ihrer Erfahrung nach einige Bewerber nicht über ausreichende Fähigkeiten oder genügende Deutschkenntnisse für die vorgeschlagenen Tätigkeiten. Neu für sie sei die Begegnung mit dem Problem Analphabetentum gewesen. Oft würden Bewerbungen „nicht kontinuierlich, sondern stoßweise“ und „notgedrungen“ geschrieben.

Bei manchen Ratsuchenden hat aber auch Michael Wohlfahrt große Resignation festgestellt. Eine individuelle Beratung erfordere einen Zeitaufwand von zwei bis drei Stunden, so die Erfahrung der Job-Service-Mitarbeiter. Neben „großer Sicherheit im Umgang mit sehr unterschiedlichen Menschen“ haben alle auch Einblicke in ausgesprochen prekäre Arbeitsangebote erlangt. "Unverzichtbar für die weitere Arbeit", nannte Carola Lorenz vom Sozialbereich des BQS-Managements diese Rückmeldungen. „Viele kleine, aber wichtige Dinge, die sonst nicht an die Öffentlichkeit gelangen“, hat auch BQS-Geschäftsführer Wolfgang Seeck ausgemacht.

Zukünftig werde an beiden Standorten ein Computerarbeitsplatz für die Klienten eingerichtet. „Trotz allem: Unsere Arbeit hat auch viel Spaß gemacht. Wir waren ein gutes Team“ – auf diese Einschätzung legt Dagmar Krause großen Wert.

Angela Hanschke

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